(von Yannick Löb und Philipp Grassmann)
Am heutigen Montag stand nun
der erste vollgepackte Tag mit einem Firmenbesuch bei BASF sowie dem Besuch der
peruanisch-deutschen Außenhandelskammer an. Aufgrund des zu erwartenden
Verkehrs trafen wir uns bereits früh zum gemeinsamen Frühstück. Da wir leider
eine Stunde auf unseren heiß ersehnten Kaffee warten mussten und die Taxen
bereits warteten, musste dieser leider ausfallen. So machten wir uns etwas
müde, aber zumindest ansehnlich gekleidet auf den Weg zu einem der beiden
Standorte von BASF Peruana S.E. in Peru, welcher sich im Stadtteil Callao
befindet.
Angekommen bei BASF erwartete
uns eine freundliche Begrüßung, gefolgt von einer Sicherheitseinweisung, um die
hohen Sicherheitsstandards von BASF während der Werksbesichtigung einhalten zu
können. Weltweit erwirtschaftet die BASF SE einen EBIT (Gewinn vor Zinsen und
Steuern) von rund 6,3 Mrd. US$, was bei einem gleichzeitigen Konzernumsatz von
etwa 57,5 Mrd. US$ einer EBIT-Marge von knapp 11% entspricht. Dieser Wert ist
im Vergleich zu anderen Branchen durchaus beachtlich. Die besuchte
Niederlassung umfasst eine Fläche von lediglich 9.000m² wodurch die räumliche
Expansion innerhalb dieses Standortes begrenzt ist. Etwas überrascht hat uns
die Tatsache, dass in Callao nur 90 Mitarbeiter für die BASF arbeiten. Diese
Zahl untergliedert sich in 29 Mitarbeiter im Bereich Sales und Marketing, 12
Produktionsmitarbeiter sowie 49 weitere Angestellte für die Administration und
das Management.
Das Produktportfolio für die
peruanische Zweigstelle umfasst hauptsächlich Polymere sowie Komponenten für
Reinigungsmittel und Farben für den lokalen aber auch für den restlichen
südamerikanischen Markt. Der Fokus bei dem intrakontinentalen Export liegt
hierbei auf den Ländern Kolumbien, Ecuador und Bolivien.
Mit Callao wurde in Bezug auf die Rohstoffe, die zur Leistungserstellung benötigt werden, ein strategisch wichtiger Standort gewählt, da sich hier sowohl ein Seeschifffahrts- als auch ein Flughafen befinden. Hierdurch kann beispielsweise die Versorgung mit Monomeren, welche aus Deutschland und Nordamerika bezogen werden, sichergestellt werden.
Konzernweit verfolgt BASF eine sog. Zero-Impact-Strategie, was konkret eine geringe Umweltbelastung bedeutet. Diese wird in Callao unter der Inanspruchnahme von Subventionen mit fabrikeigenen Wasseraufbereitungsanlagen umgesetzt, wodurch das Grundwasser geschützt werden soll.
So ging es im Anschluss gestärkt zur
peruanisch-deutschen Außenhandelskammer (DAHK) weiter, wo ein interaktiver
Informationsaustausch mit der Geschäftsführerin sowie eines
deutsch-peruanischen Mitarbeiters der DAHK auf uns wartete. Ziel des Gesprächs
mit Frau Wandelt war es, einige geographische, soziokulturelle, politische
sowie ökonomische Key Facts über Peru kennenzulernen. Aufgrund ihrer
beruflichen Vergangenheit konnte Frau Wandelt zusätzlich den ein oder anderen
interessanten Vergleich zu Chile ziehen und erläutern. Abgerundet wurde der
Informationsaustausch durch das Aufweisen möglicher Chancen deutscher
Unternehmen auf dem peruanischen Wirtschaftsmarkt.
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| Gruppenbild DAHK |
Geographisch lässt Peru sich in
drei verschiedene Regionen einteilen. Diese sind die Küsten- (costa), die
Gebirgs- (sierra) sowie die Regenwaldregion (selva). Letztere macht ca. 85% der
Biodiversität der Welt aus und ist somit von enormer Bedeutung. Aufgrund
mangelnder staatlicher Präsenz herrschen dort jedoch überwiegend anarchische
Regelungen der indigenen Völker, weshalb aus in dieser Region der mit Abstand
geringste Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) geleistet wird. Im Vergleich
dazu wird der höchste Beitrag von der Bevölkerung in der Küstenregion
erwirtschaftet. Das gesamte BIP von Peru beträgt insgesamt 196 Mrd. US-$, was
ein BIP pro Kopf von 6.204 US-$ bedeutet. Im
Vergleich dazu liegt das BIP in Chile bei 247 Mrd. US-$ (Pro Kopf 13.800 US-$).
Ohne Einfluss auf das BIP ist jedoch der Kokainhandel, wobei hier festzuhalten ist, dass Peru der weltgrößte Exporteur von Kokain ist. Im Bereich des Anbaus von Kokapflanzen und der Produktion von Kokain muss sich dieser Platz jedoch mit Kolumbien geteilt werden.
Im Gegensatz dazu fließen allerdings agrokulturelle Exporte, wie vor allem Kartoffeln und Spargel, in das BIP ein. Erstaunlich ist hier, dass es in der sogenannten ‚Kartoffeldatenbank‘ von Peru über 5.000 registrierte Kartoffelsorten gibt. Beim Spargel handelt es sich vor allem um grünen Spargel, der lediglich für den Export produziert wird und in der peruanischen Küche keinen Anklang findet.
Im direkten Vergleich zwischen Chile und Peru sind große soziokulturelle Unterschiede festzustellen. Während in Peru noch viele Einflüsse, Sitten und Bräuche indigener Völker, wie zum Beispiel der Inkas, herrschen, sind diese in Chile in geringem Maße vorzufinden. Hier wurden viele Ureinwohner durch europäische Einwanderer verdrängt. Im Zuge dessen ist die chilenische Wirtschaft deutlich stärker entwickelt als die Peruanische. Chiles Wirtschaftswachstum beträgt 1,6% p.a., während Peru noch ein stetiges Wirtschaftswachstum von ca. 4% p.a. verzeichnen kann.
Darüber hinaus hat Peru ein deutlich höheres Ressourcenvorkommen, wodurch dem Land große Potentiale zugesprochen werden können. Zu den Ressourcen gehören Kupfer, Eisen, Gold, Silber und Erdgas. Letzteres macht 50% der Energieversorgung aus. Zusätzliche 50% werden durch Windenergie erzeugt. Peru produziert hierdurch sogar einen Energieüberschuss, jedoch ist nicht in allen Teilen des Landes für eine stabile Stromversorgung gesorgt.
Ebenfalls erwähnenswert ist die strategische wichtige Lage Perus für den Schifffahrtshandel der Europäer sowie als Verbindung zwischen Nord- und Südamerika. Des Weiteren wird es auch als „Tor nach Asien“ bezeichnet. Im Zuge dessen kann auch der Handel zwischen Deutschland und Peru erwähnt werden. Deutschland verfügt über eine positive Bilanz im Außenhandel mit Peru, was vor allem auf den Export von Anlagen und Maschinen zurückzuführen ist. Der wichtigste, deutsche Export-Partner von Peru ist Aurubis, welcher vor allem Kupfererz zur weiteren Verarbeitung importiert. Allgemein ist interessant, dass es in Peru fast keine weiterverarbeitende Industrie für Erze gibt, da hier die Margen geringer sind als beim Abbau der Rohstoffe und aus diesem Grund seltsamerweise nur eine Fokussierung auf die Förderung selbiger stattfindet.
Der peruanische Staat verzeichnet einen Fachkräftemangel von ca. 200.000 Mitarbeitern jährlich, welcher auf schlechte Ausbildungsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Somit werden viele Mitarbeiter nur unternehmensintern angelernt und verdienen dementsprechend mit rund 1200 Soles pro Monat (ca. 300€) weniger als voll ausgebildete Fachkräfte. Im Gegensatz dazu haben Fach- und Führungskräfte mit akademischem Hintergrund gute Anstellungs- und Verdienstmöglichkeiten.
Die DAHK sieht die größten Geschäftschancen in der Energiewirtschaft, der Logistikbranche, der Infrastruktur, der Agrarwirtschaft sowie im Gesundheitswesen. Wie bereits angedeutet, findet in Peru keine Weiterverarbeitung der Erze statt. Hier gäbe es für deutsche Unternehmen weitere Einstiegschancen.
Interessante Einblicke gab die DAHK zudem in ihre Finanzierung und Budgetierung. Das Budget beläuft sich hier auf circa 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Diese werden durch die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi; 20%), den Mitgliedschaftsbeiträgen (17%) und Dienstleistungsangeboten im Projektgeschäft (63%) erwirtschaftet. Die Erstberatung ist für deutsche Unternehmen jedoch Kostenlos und wird über die Mittel des BMWi finanziert.
Nach den beiden interessanten Vorträgen ging es für
uns zurück ins Hotel, wo wir uns schnell umzogen, um schnellstmöglich zur
Strandpromenade zu kommen. Dort schauten wir gemeinsam den wunderschönen
Sonnenuntergang, wonach es für uns alle in ein peruanisches Restaurant zum
Abendessen ging. Den sehr informativen und erlebnisreichen, wenn auch
anstrengenden Tag beendeten wir mit ein paar Bier sowie dem ein oder anderen
Pisco Sour in einer Bar direkt neben dem Hotel.Ohne Einfluss auf das BIP ist jedoch der Kokainhandel, wobei hier festzuhalten ist, dass Peru der weltgrößte Exporteur von Kokain ist. Im Bereich des Anbaus von Kokapflanzen und der Produktion von Kokain muss sich dieser Platz jedoch mit Kolumbien geteilt werden.
Im Gegensatz dazu fließen allerdings agrokulturelle Exporte, wie vor allem Kartoffeln und Spargel, in das BIP ein. Erstaunlich ist hier, dass es in der sogenannten ‚Kartoffeldatenbank‘ von Peru über 5.000 registrierte Kartoffelsorten gibt. Beim Spargel handelt es sich vor allem um grünen Spargel, der lediglich für den Export produziert wird und in der peruanischen Küche keinen Anklang findet.
Im direkten Vergleich zwischen Chile und Peru sind große soziokulturelle Unterschiede festzustellen. Während in Peru noch viele Einflüsse, Sitten und Bräuche indigener Völker, wie zum Beispiel der Inkas, herrschen, sind diese in Chile in geringem Maße vorzufinden. Hier wurden viele Ureinwohner durch europäische Einwanderer verdrängt. Im Zuge dessen ist die chilenische Wirtschaft deutlich stärker entwickelt als die Peruanische. Chiles Wirtschaftswachstum beträgt 1,6% p.a., während Peru noch ein stetiges Wirtschaftswachstum von ca. 4% p.a. verzeichnen kann.
Darüber hinaus hat Peru ein deutlich höheres Ressourcenvorkommen, wodurch dem Land große Potentiale zugesprochen werden können. Zu den Ressourcen gehören Kupfer, Eisen, Gold, Silber und Erdgas. Letzteres macht 50% der Energieversorgung aus. Zusätzliche 50% werden durch Windenergie erzeugt. Peru produziert hierdurch sogar einen Energieüberschuss, jedoch ist nicht in allen Teilen des Landes für eine stabile Stromversorgung gesorgt.
Ebenfalls erwähnenswert ist die strategische wichtige Lage Perus für den Schifffahrtshandel der Europäer sowie als Verbindung zwischen Nord- und Südamerika. Des Weiteren wird es auch als „Tor nach Asien“ bezeichnet. Im Zuge dessen kann auch der Handel zwischen Deutschland und Peru erwähnt werden. Deutschland verfügt über eine positive Bilanz im Außenhandel mit Peru, was vor allem auf den Export von Anlagen und Maschinen zurückzuführen ist. Der wichtigste, deutsche Export-Partner von Peru ist Aurubis, welcher vor allem Kupfererz zur weiteren Verarbeitung importiert. Allgemein ist interessant, dass es in Peru fast keine weiterverarbeitende Industrie für Erze gibt, da hier die Margen geringer sind als beim Abbau der Rohstoffe und aus diesem Grund seltsamerweise nur eine Fokussierung auf die Förderung selbiger stattfindet.
Der peruanische Staat verzeichnet einen Fachkräftemangel von ca. 200.000 Mitarbeitern jährlich, welcher auf schlechte Ausbildungsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Somit werden viele Mitarbeiter nur unternehmensintern angelernt und verdienen dementsprechend mit rund 1200 Soles pro Monat (ca. 300€) weniger als voll ausgebildete Fachkräfte. Im Gegensatz dazu haben Fach- und Führungskräfte mit akademischem Hintergrund gute Anstellungs- und Verdienstmöglichkeiten.
Die DAHK sieht die größten Geschäftschancen in der Energiewirtschaft, der Logistikbranche, der Infrastruktur, der Agrarwirtschaft sowie im Gesundheitswesen. Wie bereits angedeutet, findet in Peru keine Weiterverarbeitung der Erze statt. Hier gäbe es für deutsche Unternehmen weitere Einstiegschancen.
Interessante Einblicke gab die DAHK zudem in ihre Finanzierung und Budgetierung. Das Budget beläuft sich hier auf circa 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Diese werden durch die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi; 20%), den Mitgliedschaftsbeiträgen (17%) und Dienstleistungsangeboten im Projektgeschäft (63%) erwirtschaftet. Die Erstberatung ist für deutsche Unternehmen jedoch Kostenlos und wird über die Mittel des BMWi finanziert.
| Sonnenuntergang in Lima |


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