Montag, der 29.1.2018
(von Yannick Löb und Philipp Grassmann)
Am heutigen Montag stand nun
der erste vollgepackte Tag mit einem Firmenbesuch bei BASF sowie dem Besuch der
peruanisch-deutschen Außenhandelskammer an. Aufgrund des zu erwartenden
Verkehrs trafen wir uns bereits früh zum gemeinsamen Frühstück. Da wir leider
eine Stunde auf unseren heiß ersehnten Kaffee warten mussten und die Taxen
bereits warteten, musste dieser leider ausfallen. So machten wir uns etwas
müde, aber zumindest ansehnlich gekleidet auf den Weg zu einem der beiden
Standorte von BASF Peruana S.E. in Peru, welcher sich im Stadtteil Callao
befindet.
Angekommen bei BASF erwartete
uns eine freundliche Begrüßung, gefolgt von einer Sicherheitseinweisung, um die
hohen Sicherheitsstandards von BASF während der Werksbesichtigung einhalten zu
können. Weltweit erwirtschaftet die BASF SE einen EBIT (Gewinn vor Zinsen und
Steuern) von rund 6,3 Mrd. US$, was bei einem gleichzeitigen Konzernumsatz von
etwa 57,5 Mrd. US$ einer EBIT-Marge von knapp 11% entspricht. Dieser Wert ist
im Vergleich zu anderen Branchen durchaus beachtlich. Die besuchte
Niederlassung umfasst eine Fläche von lediglich 9.000m² wodurch die räumliche
Expansion innerhalb dieses Standortes begrenzt ist. Etwas überrascht hat uns
die Tatsache, dass in Callao nur 90 Mitarbeiter für die BASF arbeiten. Diese
Zahl untergliedert sich in 29 Mitarbeiter im Bereich Sales und Marketing, 12
Produktionsmitarbeiter sowie 49 weitere Angestellte für die Administration und
das Management.
Das Produktportfolio für die
peruanische Zweigstelle umfasst hauptsächlich Polymere sowie Komponenten für
Reinigungsmittel und Farben für den lokalen aber auch für den restlichen
südamerikanischen Markt. Der Fokus bei dem intrakontinentalen Export liegt
hierbei auf den Ländern Kolumbien, Ecuador und Bolivien.
Mit Callao wurde in Bezug auf
die Rohstoffe, die zur Leistungserstellung benötigt werden, ein strategisch
wichtiger Standort gewählt, da sich hier sowohl ein Seeschifffahrts- als auch
ein Flughafen befinden. Hierdurch kann beispielsweise die Versorgung mit
Monomeren, welche aus Deutschland und Nordamerika bezogen werden,
sichergestellt werden.
Konzernweit verfolgt BASF eine
sog. Zero-Impact-Strategie, was konkret eine geringe Umweltbelastung bedeutet.
Diese wird in Callao unter der Inanspruchnahme von Subventionen mit
fabrikeigenen Wasseraufbereitungsanlagen umgesetzt, wodurch das Grundwasser
geschützt werden soll.
Weiter lässt sich hervorheben,
dass der Frauenanteil von BASF Peruana mit 27,7% innerhalb der männerdominierten
Chemiebranche und zudem auch konzernübergreifend als recht hoch bezeichnet
werden kann. Für die Wartung der verfahrenstechnischen Anlagen wurde eine
Auslagerung der Tätigkeiten gewählt, wodurch lediglich ein angestellter
Ingenieur für den Bereich Maintenance angestellt ist und so Kosten gespart
werden können.
Im Anschluss an die
Unternehmensvorstellung konnte die Produktion unter Führung des Produktionsmanagers
besichtigt werden, wo weitere individuelle Fragen beantwortet werden sollten.
Es war sehr interessant die verfahrenstechnischen Anlagen zu sehen, jedoch
blieben einige Fragen aufgrund von Sprachbarrieren sowie der Einhaltung der
Corporate Governance unbeantwortet.
Vor dem zweiten Termin des Tages
ging es für uns in das Centro Empresarial Real, zu Deutsch Unternehmerisches
Zentrum, zum Mittagessen und dem lang ersehnten ersten Kaffee des Tages in das
Loreta Café, wo sich zur Mittagszeit viele junge Geschäftsleute aus den
umliegenden Unternehmen einfinden.
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| Gruppenbild im Café Loreta |
So ging es im Anschluss gestärkt zur
peruanisch-deutschen Außenhandelskammer (DAHK) weiter, wo ein interaktiver
Informationsaustausch mit der Geschäftsführerin sowie eines
deutsch-peruanischen Mitarbeiters der DAHK auf uns wartete. Ziel des Gesprächs
mit Frau Wandelt war es, einige geographische, soziokulturelle, politische
sowie ökonomische Key Facts über Peru kennenzulernen. Aufgrund ihrer
beruflichen Vergangenheit konnte Frau Wandelt zusätzlich den ein oder anderen
interessanten Vergleich zu Chile ziehen und erläutern. Abgerundet wurde der
Informationsaustausch durch das Aufweisen möglicher Chancen deutscher
Unternehmen auf dem peruanischen Wirtschaftsmarkt.
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| Gruppenbild DAHK |
Geographisch lässt Peru sich in
drei verschiedene Regionen einteilen. Diese sind die Küsten- (costa), die
Gebirgs- (sierra) sowie die Regenwaldregion (selva). Letztere macht ca. 85% der
Biodiversität der Welt aus und ist somit von enormer Bedeutung. Aufgrund
mangelnder staatlicher Präsenz herrschen dort jedoch überwiegend anarchische
Regelungen der indigenen Völker, weshalb aus in dieser Region der mit Abstand
geringste Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) geleistet wird. Im Vergleich
dazu wird der höchste Beitrag von der Bevölkerung in der Küstenregion
erwirtschaftet. Das gesamte BIP von Peru beträgt insgesamt 196 Mrd. US-$, was
ein BIP pro Kopf von 6.204 US-$ bedeutet. Im
Vergleich dazu liegt das BIP in Chile bei 247 Mrd. US-$ (Pro Kopf 13.800 US-$).
Ohne Einfluss auf das BIP ist jedoch
der Kokainhandel, wobei hier festzuhalten ist, dass Peru der weltgrößte
Exporteur von Kokain ist. Im Bereich des Anbaus von Kokapflanzen und der
Produktion von Kokain muss sich dieser Platz jedoch mit Kolumbien geteilt
werden.
Im Gegensatz dazu fließen
allerdings agrokulturelle Exporte, wie vor allem Kartoffeln und Spargel, in das
BIP ein. Erstaunlich ist hier, dass es in der sogenannten ‚Kartoffeldatenbank‘
von Peru über 5.000 registrierte Kartoffelsorten gibt. Beim Spargel handelt es
sich vor allem um grünen Spargel, der lediglich für den Export produziert wird
und in der peruanischen Küche keinen Anklang findet.
Im direkten Vergleich zwischen
Chile und Peru sind große soziokulturelle Unterschiede festzustellen. Während
in Peru noch viele Einflüsse, Sitten und Bräuche indigener Völker, wie zum
Beispiel der Inkas, herrschen, sind diese in Chile in geringem Maße
vorzufinden. Hier wurden viele Ureinwohner durch europäische Einwanderer
verdrängt. Im Zuge dessen ist die chilenische Wirtschaft deutlich stärker
entwickelt als die Peruanische. Chiles Wirtschaftswachstum beträgt 1,6% p.a.,
während Peru noch ein stetiges Wirtschaftswachstum von ca. 4% p.a. verzeichnen
kann.
Darüber hinaus hat Peru ein
deutlich höheres Ressourcenvorkommen, wodurch dem Land große Potentiale
zugesprochen werden können. Zu den Ressourcen gehören Kupfer, Eisen, Gold,
Silber und Erdgas. Letzteres macht 50% der Energieversorgung aus. Zusätzliche
50% werden durch Windenergie erzeugt. Peru produziert hierdurch sogar einen
Energieüberschuss, jedoch ist nicht in allen Teilen des Landes für eine stabile
Stromversorgung gesorgt.
Ebenfalls erwähnenswert ist die
strategische wichtige Lage Perus für den Schifffahrtshandel der Europäer sowie
als Verbindung zwischen Nord- und Südamerika. Des Weiteren wird es auch als
„Tor nach Asien“ bezeichnet. Im Zuge dessen kann auch der Handel zwischen
Deutschland und Peru erwähnt werden. Deutschland verfügt über eine positive
Bilanz im Außenhandel mit Peru, was vor allem auf den Export von Anlagen und
Maschinen zurückzuführen ist. Der wichtigste, deutsche Export-Partner von Peru
ist Aurubis, welcher vor allem Kupfererz zur weiteren Verarbeitung importiert.
Allgemein ist interessant, dass es in Peru fast keine weiterverarbeitende
Industrie für Erze gibt, da hier die Margen geringer sind als beim Abbau der
Rohstoffe und aus diesem Grund seltsamerweise nur eine Fokussierung auf die
Förderung selbiger stattfindet.
Der peruanische Staat verzeichnet
einen Fachkräftemangel von ca. 200.000 Mitarbeitern jährlich, welcher auf
schlechte Ausbildungsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Somit werden viele
Mitarbeiter nur unternehmensintern angelernt und verdienen dementsprechend mit
rund 1200 Soles pro Monat (ca. 300€) weniger als voll ausgebildete Fachkräfte.
Im Gegensatz dazu haben Fach- und Führungskräfte mit akademischem Hintergrund
gute Anstellungs- und Verdienstmöglichkeiten.
Die DAHK sieht die größten
Geschäftschancen in der Energiewirtschaft, der Logistikbranche, der
Infrastruktur, der Agrarwirtschaft sowie im Gesundheitswesen. Wie bereits
angedeutet, findet in Peru keine Weiterverarbeitung der Erze statt. Hier gäbe
es für deutsche Unternehmen weitere Einstiegschancen.
Interessante Einblicke gab die
DAHK zudem in ihre Finanzierung und Budgetierung. Das Budget beläuft sich hier
auf circa 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Diese werden durch die Förderung des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi; 20%), den Mitgliedschaftsbeiträgen
(17%) und Dienstleistungsangeboten im Projektgeschäft (63%) erwirtschaftet. Die
Erstberatung ist für deutsche Unternehmen jedoch Kostenlos und wird über die
Mittel des BMWi finanziert.
Nach den beiden interessanten Vorträgen ging es für
uns zurück ins Hotel, wo wir uns schnell umzogen, um schnellstmöglich zur
Strandpromenade zu kommen. Dort schauten wir gemeinsam den wunderschönen
Sonnenuntergang, wonach es für uns alle in ein peruanisches Restaurant zum
Abendessen ging. Den sehr informativen und erlebnisreichen, wenn auch
anstrengenden Tag beendeten wir mit ein paar Bier sowie dem ein oder anderen
Pisco Sour in einer Bar direkt neben dem Hotel.
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| Sonnenuntergang in Lima |
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| Da gehen wir etwas trinken! |