Donnerstag, 8. Februar 2018

13 - Bei K+S-Chile

Weiberfastnacht, der 8.2.2018

Besuch bei K+S in Iquique

von Bernd Fröhler und Michael Heinen

Trotz des engen Zeitfensters fiel das Frühstück mit frischen Brötchen, Kaffee und Saft gegen 7:30 Uhr relativ üppig aus, so konnte der Tag beginnen. Im Anschluss an das Frühstück, starteten wir die Fahrt zur K+S AG (Kali und Salze). Entlang des Küstenstreifens türmte sich zur linken mehrere hundert Meter hoch das Gebirge der Anden und zur rechten der Pazifik. Der traumhafte Ausblick bei sonnigen Temperaturen und blauem Himmel lies die einstündige Fahrt im nu vergehen. Von weitem konnte man die Verlademöglichkeiten Schiffseitig am Küstenufer erkennen. Diese liegen in einer Bucht geschützt von südlich aufkommenden Wellen.
Bei K+S angekommen, wurden wir freundlich von Herrn Münzenmayer auf Deutsch empfangen, welcher extra für uns aus Santiago eingeflogen ist. Durch seine familiäre Abstammung konnten wir uns größtenteils auf deutsch unterhalten. Die Tagesplanung sah einen langen Firmenbesuch vor, welcher uns in keinster Weise enttäuschen sollte.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es mit einer Sicherheitsunterweisung weiter, diese brachte doch einige Besonderheiten mit sich, da sich diese in drei Teilbereiche aufteilte. Es wurde die Mine, die Produktion und der Hafen im Einzelnen erläutert und auf mögliche Gefahren hingewiesen.
Nach einer ersten Fragerunde, welche nicht mehr abreißen wollte, ging es sofort zum Hafen. Dort angekommen erhielten wir die noch benötigte persönliche Schutzausrüstung um mit einem Kleinboot die Beladezone der Schiffe vom Wasser aus zu besichtigen. Nicht nur Helm, Sonnenbrille und Warnweste, sondern auch Sonnencreme (LV-50) und Schwimmweste vervollständigten die Ausrüstung für die kleine Hafenrundfahrt. Nachdem das zu beladene Schiff umrundet war, ging es zur zweiten Ladezone, welche zur diesem Zeitpunkt nicht genutzt wurde. Die weitere Fahrt bei blauem Himmel ging bis zur Einfahrtsschneise der Bucht, in welcher sich auf der Felslandschaft Seelöwen und Pinguine tummelten. Nach dieser zu Beginn unerwarteten und eindrucksvollen Rundfahrt ging es zurück an Land um in Richtung Mine, welche über Tage liegt, aufzubrechen.

Frachter im Hafen von K+S

Seelöwen im Hafen von K+S 

Pinguine im Hafen von K+S
 
Die Anfahrt zur nahegelegenen Mine führte ca. 27km über die Bergkette in das Landesinnere, wobei die Straßen mit Salzresten den ständigen LKW-Verkehr nicht verbergen konnten. Das Salzvorkommen erstreckt sich in der Mine über eine Länge von 45km bei einer Breite von 4km und einer Dicke von ca.100 Metern in verschiedenster Salzqualität. Die Reinheit des Salzes liegt bei bis zu 98% vor, was eine Nachbehandlung nach dem Abbau erübrigt. Im Vergleich dazu, liegen in anderen Abbaugebieten die Salzvorkommen in einer Tiefe von bis zu 700 Metern unter der Erde und müssen dort mit deutlich höherem Aufwand untertage abgebaut werden.

Im Jahr werden bis zu 7.000.000 Tonnen Salz gefördert und in sechs Qualitäten eingeteilt. Die Gesamtmenge teilt sich in verschiedene Sparten auf, wobei ca. 4 Millionen Tonnen als Auftausalz genutzt, 1,4 Millionen Tonnen Anwendung in der Chemie finden und ca. 1 Millionen Tonnen als Konsumsalz vertrieben werden. Das Salz wird durch ständig pendelnden LKW-Verkehr von der Mine in den Hafen transportiert. Die oben aufliegende schlechtere Salzqualität wird in teilen in der Mine umgeschichtet und bei Bedarf in den Hafen transportiert und als Auftausalz verkauft. Die angelieferten Salzmengen werden im Hafen ihrer Qualität entsprechend zwischengelagert und nach Kundenauftrag verladen.

Panoramabild der Mine von einem Aussichtspunkt

Die Mine "von oben"
 
Gruppenbild in der Mine von K+S
Mini-Gruppenfoto in der Mine von K+S
Zu unser aller Begeisterung konnten wir nach der Besichtigung der Mine die Sprengung eines Teils der Salzwand live miterleben! Der Besuch wurde so getaktet, dass uns dieses allwöchentliche Event nicht vorbehalten wurde. So wurden in Bruchteil einer Sekunde ca. 45.000 Tonnen Salz aus der Wand gesprengt. Da das Salz ohne Sprengstoffreste vorliegen muss, wird mit einer Lunte gearbeitet die beim zünden vollständig und rückstandslos verbrennt.
Sprengung der Mine von K+S:

 
 
Im Anschluss an die Sprengung konnten wir Einblicke in die Verarbeitung des teils noch bis zu einem Meter großen Salzbruches erhalten. Die Backenbrecher und die nachgeschalteten Siebanlagen klassieren das Produkt. Das Produkt wird in Siloanlagen zwischengelagert und mit LKWs bei Bedarf geladen und zum Verladeplatz im Hafen transportiert. Das dabei aufkommende Feinsalz wird ausgeschleust und der Mine zurückgeführt, da für dieses kein Bedarf besteht. Das gesamte Werk umfasst ca. 150 eigene Mitarbeiter und bis zu 1000 externe Kontraktoren. Darunter fallen unter anderem die Pendelfahrten der LKWs welche saisonal in ihrer Anzahl und Bedarf variieren können.

Brecher und Siebe der Mine
Bedingt durch das Produkt liegt ein hoher Verschleiß der Anlagen vor. Die Instandhaltungskosten liegen dabei ca. 12 Millionen $ im Jahr, dabei liegt eine sehr hohe Verfügbarkeit der Anlagen zu Grunde.
Gegen 14:30 durften wir die hauseigene Kantine nutzen und uns mit regionalem Essen stärken. Das Essen wird den Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieses Extra macht die Arbeit bei K+S für Arbeitnehmer attraktiver. Der Produktionsbetrieb läuft 7 Tage die Woche bei 24 Stunden. Hier besteht der Vorteil, dass die Mitarbeiter nach ihrer Schicht zu ihren Familien können und nicht wie anderen Bergbaubetrieben vor Ort bleiben müssen.
Im Anschluss an das wohltuende Essen, wurden wir durch die Verladeanlagen der Werft geführt. Die Anlagen haben eine Förderleistung von 1800-2000 Tonnen pro Stunde um die anliegenden Schiffe schnellstmöglich zu beladen. Die Anlagen verfügen über ein Notstromsystem, um selbst bei Netzausfall die Beladung fortzusetzen um so kostspielige Wartezeiten zu vermeiden.

Abschließend erhielt jeder einen Salzkristal welcher mit Dank und Freude von jedem angenommen wurde. Ein langer und ereignisreicher Tag bei K+S endete gegen 16:30 Uhr mit großem Dank und interessanten Einblicken in den Salzabbau in Chile.
Nach der Rückkehr im Hotel und einer kurzen Verschnaufpause schlenderten wir gemeinsam entlang der weitläufigen Strandpromenade von Iquique dem Sonnenuntergang entgegen. Abschließend aßen wir am Playa Brava gemeinsam zu Abend und ließen so den spannenden Tag ausklingen.

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16 - Ein Wort zum Schluß