Besuch
der ALMA Sternwarte
Am heutigen Mittwoch, dem zweiten Tag im
warmen San Pedro de Atacama, sollte für uns zunächst am Morgen der Besuch der
weltbekannten Sternwarte „Alma“ auf dem Plan stehen, bevor es anschließend
weiter in die nordwestliche Küstenstadt Iquique ging.
Mit gepackten Koffern trafen wir uns um halb 8 zu einem kurzen gemeinsamen Frühstück in unserem Hostel. Keine 30 Minuten später, traf bereits unser Fahrer ein, der uns mitsamt Gepäck mit einem gecharterten Bus abholte, zur Sternwarte fuhr und uns anschließend wieder mit nach San Pedro nahm, wo er uns am Bus-Terminal zur Weiterfahrt in Richtung Iquique absetzte.
Ausreichend gestärkt und voller Vorfreude trafen wir um ca. 08:45 Uhr an der Forte der Sternwarte ein. Diese liegt sehr separiert in einem riesigen Areal in der trockenen chilenischen Atacama Wüste, in einer Höhe von rund 2900m.
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| Aussicht von der Basis der ALMA Sternwarte |
Uns erwartete zunächst eine kurze
Einführung der Kommunikationsmitarbeiterin, die uns einige allgemeine
Informationen mitteilte. Anschließend wurden wir vom Manager of Duty Norikazu
Mizuno in einer Power Point Präsentation detailliert über die Arbeitsweise des
Observatoriums unterrichtet. Abschließend besichtigten wir die Labore sowie den
Außenbereich mit einigen Radioteleskopen, die sich zur Wartung im Bereich der
Base befanden. Dort konnten wir zudem die beeindruckenden Transportfahrzeuge
bestaunen.
| Gruppenbild vor einer der Antennen |
Das
Atacama Large Millimeter/submillimeter
Array (ALMA) ist ein
internationales Radioteleskop-Observatorium
in den nordchilenischen
Anden.
Seine Antennenanlage besteht aus 66 mobilen, ausrichtbaren Parabolantennen,
mit Durchmessern von 12 m oder 7 m, die über Entfernungen von bis zu 18,5 km
verteilt werden können und zu einem Interferometer-Radioteleskop
zusammengeschaltet werden. Insgesamt stehen 220 Stationen zur Verfügung, auf
denen die unterschiedlichen Teleskope positioniert werden können. Ein Teleskop
wiegt ca. 100 bis 110 Tonnen. Die Formation der Teleskope ändert sich alle drei
Monate. Die Umpositionierung eines Teleskopes dauert einen Tag. Die Kosten je
Radioteleskop belaufen sich auf ca. 10 Mio. USD. Die Antennen befinden sich bei
San Pedro de Atacama, in der
Chajnantor-Hochebene, in mehr als 5000 m
ü. N.N., wo die dünne und extrem trockene Erdatmosphäre
für Radiowellen besonders durchlässig ist. Die Temperaturen liegen im Bereich
von -15° C bis 18° C. Beobachtungsobjekt ist die kalte interstellare Materie, zur Erforschung der
Stern- und Planetenentstehung. Es ist das größte und teuerste erdgebundene
Radioteleskop der Welt, das in einer internationalen Kooperation gebaut wurde
und von ESO, AUI/NRAO und NAOJ gemeinsam betrieben
wird. Die Radioteleskope verteilen sich zu je 25 aus Europa und Nordamerika
sowie 16 aus Asien.
Das
Observatorium wurde im Zeitraum von 2003 bis 2013 stetig weiterentwickelt. Das
Land Chile stellte die Fläche unter der Bedingung, dass 85 % der Mitarbeiter chilenischer
Herkunft sind und 10 % der Gesamtkapazität für chilenische Projekte reserviert
werden. Zu Beachten ist das die gesamte Sternwarte nicht an das Chilenische Stromnetz
angeschlossen ist, sondern sich komplett eigenständig, u.a. mit Geothermie und
anderen Verfahren, versorgt.
Insgesamt
arbeiten bei ALMA 250 Mitarbeiter. Diese verbringen aufgrund der isolierten
Lage acht Tagesschichten in der Sternwarte und darauf folgen sechs Tage
Freizeit. Zu den acht Tagessschichten zählen jeweils der Tag der An-und Abreise,
deren Kosten von der Organisation getragen werden. Diese Konstellation erlaubt
es damit auch Mitarbeitern aus unterschiedlichen Landesteilen bei ALMA zu
arbeiten. Während der Tagesschichten leben die Mitarbeiter in einem voll
ausgestatteten Bungalowdorf. Der Anteil weiblicher Mitarbeiter liegt bei lediglich
5 %. Grund dafür ist die Tatsache das sich ein Arbeits- und Familienleben nur
schwer vereinbaren lässt, da bspw. keine Kinderbetreuung angeboten wird.
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| Gruppenbild im Wartungszentrum |
Das
Observatorium ist offen für Astronomen aus aller Welt. Da die Anzahl der
Anfragen für Untersuchungen an der ALMA Sternwarte sehr hoch ist, werden diese
nach ihrem wissenschaftlichen Wert gerankt. Dementsprechend wird gewährleistet,
dass jene Untersuchungen mit einer hohen wissenschaftlichen Bedeutung bevorzugt
behandelt werden. Alle Untersuchungen beruhen auf eigens erhobenen Daten, die
anschließend in Santiago de Chile analysiert werden und den internationalen
Kooperationspartnern von dort aus zur Verfügung gestellt werden. Der
analysierende Astronom erhält für ein Jahr das exklusiv Zugriffsrecht auf die
Daten, anschließend werden diese in einer „öffentlichen“ Bibliothek bereitgestellt.
Wie
bereits eingangs erwähnt stehen die Teleskope in der Chajnantor-Hochebene in
einem Umkreis von 18,5 km. Dieser Bereich ist nicht eingezäunt, wird aber rund
um die Uhr von Personal überwacht. Jeden Tag sind 30 bis 50 Techniker und Ingenieure
mit Wartungen der Antennen beschäftigt. Aufgrund der klimatisch schwierigen
Bedingungen und der dünnen Höhenluft, gibt es spezielle
Arbeitszeitvorschriften.
·
Tag
1: 4 h
·
Tag
2: 6 h
·
Tag
3: 8 h
Das hohe Gewicht
der Radioteleskope, die engen Serpentinen sowie die hohen Anforderungen an die
Positionierungsgenauigkeit erfordern spezielle Transportfahrzeuge. Im Zuge
dessen wurden uns Otto und Lore vorgestellt.
| Gruppenbild vor "Lore" |
Die 670 PS
starken Spezialmaschinen stammen vom deutschen Hersteller „SCHEUERLE“ und sind mit
Antrieben der Firma „DEUTZ AG“ ausgerüstet. Ohne Last erreichen sie eine Geschwindigkeit
von bis 25 km/h, während des Transportes eines Radioteleskopes stattdessen nur
7-10 km/h. Das bedeutet das der Transport von der ALMA Base auf 2900 m bis in
die Chajnantor-Hochebene auf 5000 m 7/8 h dauert. Es gibt bei ALMA nur vier
Mitarbeiter die Otto und Lore bedienen und fahren können, diese wurden speziell
vom Hersteller angelernt. Außerdem können die Maschinen remote gesteuert
werden.
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| Radioteleskop mit 8m Durchmesser |
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| Radioteleskop mit 12m Durchmesser |




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